Infomagazin, Deutschland 2025
Es ist paradox: Wir wollen unseren Müll nicht und sind froh, wenn wir ihn los sind. Zugleich produzieren wir so viel Müll wie nie zuvor. Und die Aussicht, ihn loszuwerden, könnte kaum schlechter sein: Müll wird Jahrmillionen überdauern, sagt Paläontologe Jan Zalasiewicz. Er sei so langlebig, dass er sogar geologische Spuren hinterlassen wird. Technofossilien nennt der Forscher der Universität Leicester diese Reste und ist überzeugt, dass sie unser ultimatives Erbe sein werden.
Ein Grund dafür: Wir glauben, wir könnten Müll kontrollieren. Doch er bewegt sich, reagiert. Über die Wege des Mülls wissen wir relativ wenig, sagt Meeresbiologin Melanie Bergmann. Von 99 Prozent des Plastiks im Meer etwa sei gar nicht bekannt, wo es sich befindet, so die Wissenschaftlerin vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven. Und auch über die Folgen, die sich für die Gesundheit des Menschen und anderer Lebewesen ergeben, wissen wir kaum etwas.
Andererseits: Wir profitieren vom Müll. Denn der meiste fällt an durch Rohstoffverbrauch und Produktion. Wollten wir etwas ändern, müssten wir unseren Konsum ändern, glaubt Philosoph Oliver Schlaudt von der Hochschule für Gesellschaftsgestaltung in Koblenz. Doch zugleich beobachtet er: Müll sorgt für Fortschritt, weil wir das Problem lösen wollen - und doch bei immer neuem Müll landen. Abfallwissenschaftlerin Gilian Gerke von der Hochschule Magdeburg-Stendal erklärt, warum Müll trotzdem eine Chance sein kann - und dass es sich lohnt, Müll mit anderen Augen zu betrachten.
| Regie | Sebastian Kirschner | |

Philosoph Oliver Schlaudt glaubt, dass wir unseren Konsum ändern müssen, wenn wir die Verschmutzung durch Müll reduzieren wollen. Doch aktuell profitieren wir noch von den Industrien, die ihn produzieren.