Menschen, Deutschland 2026
Durch eine Bombenexplosion in Mogadischu verlor Abbas Yalahow sein Augenlicht. Heute lebt er in Berlin und nutzt seine Erfahrungen, um Menschen mit Behinderung zu unterstützen.
Weihrauch aus Somalia, Tandemausflüge in Berlin und ein selbstbestimmter Alltag voller Eigeninitiative: Abbas Yalahow hat sich nach Jahren der Unsicherheit ein neues Leben aufgebaut. Heute verbindet er seine Wurzeln in Ostafrika mit seinem Leben in Deutschland.
Abbas Yalahow war sechzehn, als eine Explosion in seiner Heimatstadt Mogadischu sein Leben jäh veränderte. Er wurde schwer verletzt und lag mehrere Tage ohne medizinische Hilfe im Krankenhaus. In Somalia gibt es für Menschen mit Behinderung kaum Unterstützung. Sie werden gesellschaftlich geächtet, als Belastung für die Familie angesehen, manchmal sogar getötet. Gemeinsam mit seiner Schwester entschloss er sich deshalb zur Flucht.
"Ich kam in ein völlig neues Land mit einer neuen Kultur, einem neuen Klima und einer Sprache, die ich noch nicht konnte", erinnert sich Abbas Yalahow an seine Ankunft in Deutschland. Inzwischen spricht er perfekt Deutsch, hat eine kaufmännische Ausbildung abgeschlossen und sich in Berlin ein neues Leben aufgebaut. Über einen Internetshop verkauft er Weihrauch und Myrrhe aus Somalia. Die Produkte stammen aus seiner Herkunftsregion: "Sie erinnern mich an meine Kindheit", so Abbas Yalahow.
Abbas Yalahow engagiert sich aber nicht nur für sich selbst. Als der Begleitservice für Menschen mit Behinderung - ein Angebot des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg - vor dem Aus stand, setzte sich Abbas Yalahow öffentlich für dessen Erhalt ein. Für viele blinde und sehbehinderte Menschen bedeutet das Angebot Mobilität und Unabhängigkeit im Alltag. "Hier habe ich als deutscher Bürger die Möglichkeit, mich einzusetzen - und ich nutze meine Stimme!"
Bis heute erlebt Abbas Ablehnung - wegen seiner Herkunft, seiner Hautfarbe oder seiner Blindheit. "Ich erlebe oft doppelte Diskriminierung", sagt er. Trotzdem richtet er seinen Blick nach vorn, und er wünscht sich für die Zukunft ein Zusammenleben auf Augenhöhe. "Jeder soll die Chance bekommen, seine Träume zu verwirklichen."
Weitere Informationen sind zu finden unter www.einfachmensch.zdf.de.
Die Sendereihe entsteht in Kooperation mit der "Aktion Mensch" und ist mit Untertitelung, Gebärdensprache und Audiodeskription verfügbar.
| Von | Andrea Schuler | |

Abbas Yalahow erblindete als 16-Jähriger durch einen Granatsplitter in seiner Heimatstadt Mogadischu.
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