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Mo, 29.06.
0435 – 0520

WDR

Erdogan
Der Unantastbare

Folge 4

Dokumentation

Am 15. Juli 2016 kippt die Türkei in eine Nacht des Chaos: Panzer auf der Bosporusbrücke, Kampfjets über Ankara und Istanbul, besetzte Flughäfen und Behörden. Das Militär putscht und versucht, Erdogan zu stürzen. Doch er wendet sich per Video-Livestream an das Volk, fordert, sich den Putschisten entgegenzustellen, und verändert so den Verlauf dieser Nacht. Mehr als 250 Menschen sterben. Danach folgt eine beispiellose Welle von Verhaftungen und Entlassungen. Zehntausende verlieren ihre Ämter oder ihre Freiheit. Erdogan macht den Prediger Fethullah Gülen zum Hauptverantwortlichen. "Verrat verzeiht er nicht", sagt Bülent Arinç über Erdogans Reaktion. Der Staat wird radikal umgebaut, unter dem Ausnahmezustand entsteht ein Klima der Angst und Kontrolle. Der Putsch wird zum Wendepunkt. Unter dem Ausnahmezustand treibt Erdogan die Machtkonzentration voran und schafft 2017 ein Präsidialsystem, das ihn zum nahezu uneingeschränkten Herrscher macht. "Erdogan ist der erste demokratisch gewählte Sultan der Türkei", bringt es der deutsch-türkische Autor Fatih Çevikkollu auf den Punkt. Auch die Opposition gerät ins Visier. Der Istanbuler Bürgermeister Ekrem Imamoglu wird zum wichtigsten Gegenspieler und gewinnt Wahlen trotz Annullierung erneut. Aber Erdogan sorgt auch für dessen Verhaftung. Während der Rechtsstaat erodiert, die Inflation große Teile der Bevölkerung in die Armut treibt und Hundertrausende junge Menschen das Land verlassen, lebt Erdogan abgeschottet in seinem Palast. Und die Machtfrage bleibt offen: Wie lange noch?

Personen

Von Michael Wech, Kristina Karasu
Redaktion Beate Schlanstein, Gudrun Wolter

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