Dokumentation
Stress ist für viele längst Alltag: getrieben von Leistungsdruck und permanenter Erreichbarkeit wächst er zu einer gesellschaftlichen Herausforderung mit weitreichenden Folgen.
Die Filmemacher Florian Riedelsperger und Stefan Wolner zeigen Menschen, deren Alltag von permanentem Druck geprägt ist. Zwischen Stress, digitaler Reizüberflutung und Erschöpfung fragen sie, was Dauerbelastung mit ihnen und mit unserer Gesellschaft macht.
Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen, digitale Medien verlangen ständig Interaktion. Dauerhafte Erreichbarkeit und wachsender Leistungsdruck prägen unseren Alltag. Die Folgen sind gravierend: Stress hinterlässt körperliche Spuren und führt zu Erschöpfung oder Burnout.
Stress ist längst kein Ausnahmezustand mehr, sondern für viele eine ständige Realität: In Deutschland fürchten sechs von zehn Beschäftigten, durch Überlastung zu erkranken; in Österreich ist der Anteil nahezu ebenso hoch. In der Schweiz fühlen sich drei von zehn Erwerbstätigen emotional erschöpft - mehr als je zuvor seit Beginn der Erhebungen.
Doch Belastungen zeigen sich in unterschiedlichen Lebensphasen nicht gleich. Junge Menschen erleben globale Krisen ungefiltert auf dem Smartphone, Menschen in der Lebensmitte kämpfen mit der Entgrenzung von Beruf und Familie. Bei älteren Menschen wirkt häufig der Anspruch, dauerhaft leistungsfähig zu bleiben. Was macht diese Anspannung mit Körper und Psyche und: Wie können wir ihr begegnen?
Veronika ist 20, studiert Umwelt- und Bioressourcenmanagement und arbeitet zwei Tage pro Woche in einem Café, um ihr Studium zu finanzieren. Nicht das Smartphone selbst setzt sie unter Druck, sondern das, was darüber täglich auf sie einströmt: steigende Preise, Kriege und Klimakrise. Ständig, ungefiltert, ohne Pause. Eine Frage lässt sie nicht los: Lohnt es sich, etwas aufzubauen, wenn die nächste Krise alles wieder zerstören könnte? Ausgleich findet sie in einem gemeinsamen Gartenbeet und beim kostenlosen Sport im Park. Kleine Freiräume, die ihr helfen, der Daueranspannung etwas entgegenzusetzen.
Rudolf ist 61 und arbeitet in der IT. Sechzehn Stunden am Tag waren lange sein Normalzustand. Dann wechselte er den Arbeitsplatz und merkte, wie ungewollt man mit über sechzig ist. Dass seine Jahre auf einmal nichts mehr wogen, hat ihn mehr mitgenommen als jede Überstunde. Regelmäßig fährt er zum Yogawandern in die Wiener Alpen, zweieinhalb Stunden hinauf auf die Rax, am Abend Yoga in der Gruppe. Abschalten, sagt er, ist bei ihm keine Erholung nebenbei, sondern Arbeit an sich selbst.
Die Dokumentation "Unter Druck - Warum wir nicht mehr abschalten" verbindet persönliche Geschichten mit wissenschaftlichen Erkenntnissen. Sie stellt eine Frage, die die gesamte Gesellschaft betrifft: Wie wollen wir arbeiten und zusammenleben, ohne dauerhaft über unsere Grenzen zu gehen?
| Von | Florian Riedelsperger, Stefan Wolner | |