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Mi, 04.11.
2245 – 0040

rbb

Friendly Fire
Annäherung an Erich Fried

Dokumentarfilm, Deutschland

Erich Fried war einer der meistgelesenen deutschsprachigen Lyriker - bekannt für seine Liebesgedichte, aber auch für sein politisches Engagement und seinen unermüdlichen Drang zur Verständigung. 1938 floh er als junger Mann vor den Nationalsozialisten aus Wien. Später suchte er immer wieder das Gespräch mit Menschen an den entgegengesetzten Rändern des politischen Spektrums. Er setzte sich mit den Protagonisten der RAF auseinander und pflegte eine Freundschaft mit dem Neonazi Michael Kühnen. Auch seine Haltung zu Israel war von Widersprüchen geprägt. Der Film nähert sich diesem widersprüchlichen Menschen aus der Perspektive seines Sohnes Klaus Fried. Er blickt zurück auf eine Kindheit in einem Londoner Haus, das einer "German Embassy of the left" glich. Idealisten, politische Aktivisten, Terroristen und Hippies gingen dort ein und aus. Für viele Besucher war Erich Fried eine Art Guru; für seine eigenen Kinder blieb er dagegen oft schwer erreichbar. Dabei war er nicht nur der gefeierte Dichter und politische Unruhestifter. Er war auch Spielzeugmacher und Insektenretter, ein begabter Reparateur und leidenschaftlicher Sammler, der Gegenstände aus Müllcontainern rettete, weil ihr Leben in seinen Augen noch nicht zu Ende war. Sein bewegtes Privatleben mit drei Ehen und mindestens sechs Kindern bildet ein weiteres Spannungsfeld zwischen öffentlicher Wirkung und familiärer Nähe. Klaus Fried macht sich auf den Weg, seinen Vater neu zu entdecken. In Gesprächen mit Geschwistern, Freunden und Zeitgenossen nähert er sich einem Mann, der scheinbar allen gehörte und sich dennoch seiner eigenen Familie entzog. "Friendly Fire" wird so nicht nur zum Porträt eines politischen Dichters, sondern auch zur persönlichen Auseinandersetzung eines Sohnes mit seinem Vater. Ein Film über Empathie und Widerspruch, über die Kraft und die Grenzen von Verständigung - und über den Versuch, sich einen Menschen zurückzuholen, den man mit der ganzen Welt teilen musste.

Personen

Von Klaus Fried