Gesellschaft und Politik
Am 6. September wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt - eine Wahl, die weit über die Landesgrenzen hinaus Aufmerksamkeit bekommt. In Umfragen liegt die AfD vorn und zum ersten Mal könnte die Partei in einem Bundesland den Ministerpräsidenten stellen. Die politische Stimmung ist aufgeheizt. Die Debatten werden härter, die Gräben tiefer. Viele reden übereinander - nur noch selten miteinander.
"6 Stimmen, 1 Land" wagt ein Experiment: Sechs Menschen aus Sachsen-Anhalt mit unterschiedlichen Biografien und oft völlig gegensätzlichen Ansichten treffen aufeinander. Die Reportage taucht ein in die Lebenswelten dieser Menschen: auf den Bauernhof, in die Schule, aufs Fußballfeld.
Silvio aus der Börde fährt ehrenamtlich Menschen mit Einschränkungen zum Arzt oder zum Einkaufen. Politisch hat er eine klare Haltung: "Wenn die AfD nicht die nächste Regierung stellt, wäre ich sehr enttäuscht." Anne aus Magdeburg liest Hortkindern jede Woche Geschichten vor, viele davon kommen aus internationalen Familien. Gleichzeitig findet sie: Deutschland ist bei der Migration an seine Grenzen gekommen. Aras aus Burg ist 2015 mit seiner Familie aus Syrien geflohen, seine Töchter gehen hier zur Schule. Er sorgt sich um die Stimmung im Land. "Ist das die Schuld der Ausländer, dass die Bahn nicht pünktlich fährt, dass die Infrastruktur so schwach ist, das die Schulen marode sind?"
Julian aus Köthen hat abends ein mulmiges Gefühl auf den Straßen. Er organisiert den CSD in seiner Stadt. "Neulich hat ein Mann im Café zu mir gesagt: Euch müsste man alle ins KZ stecken." Landwirtin Steffi beschäftigt vor allem die wirtschaftliche Entwicklung: "Die Preisentwicklung - das kann so nicht weitergehen." Und Schulleiterin Katrin aus Aschersleben sorgt sich um die Zukunft der Demokratie.
Was verbindet diese sechs Menschen? Anhand von Thesen beziehen sie Position. Sie stimmen zu oder lehnen ab, diskutieren, widersprechen sich - und hören einander zu. Der Film beobachtet, was passiert, wenn Menschen mit unterschiedlichen Überzeugungen einander begegnen. Bleibt jeder bei seinem Standpunkt? Sind sie bereit, die Sicht des anderen nachzuvollziehen? Und: Kann eine Begegnung die eigene Haltung verändern?