Dokumentation, D 2023
Die Mauer war Fundament und Bollwerk des Ministeriums für Staatssicherheit. Sie war für den Geheimdienst existenziell und ohne die Staatssicherheit wiederum nur hässlicher Beton. "Mielke und die Mauer" erzählt die Geschichte dieser symbiotischen Beziehung aus der Innenperspektive - aus der Sicht der MfS-Mitarbeiter und ihrer Führung - und gewährt Einblicke in die Mentalitäten und Motivationen der DDR-Geheimdienstler.
Wie gingen sie mit dem wohl heikelsten Kapitel um, den Mauertoten und der Vertuschung und Verschleierung dieser Mordfälle? Mit welchen aufwendigen Maßnahmen machte die Stasi Jagd auf Tunnelgräber? Wie "filterte" sie den Einreiseverkehr an den Grenzübergängen zur Gewinnung von inoffiziellen Mitarbeitern? Überall hatten Mielkes Spezialisten und oft auch er persönlich die Hände im Spiel.
Mielkes Macht wuchs durch die Perfektionierung des Grenzsystems. Flächendeckend gingen offizielle und inoffizielle Mitarbeiter des MfS jedem noch so kleinen Hinweis auf mögliche Fluchten nach. Die Einmauerung der Bevölkerung schuf für Mielke und die Stasi immer neue Aufgaben- und Betätigungsfelder - und neue Feindbilder: den "Republikflüchtling", den "Grenzverletzer", den westlichen "Fluchthelfer" und die "kriminellen Menschenhändler-Banden", später den "Ausreisewilligen".
Für Stasichef Erich Mielke waren diese "Unverbesserlichen" gefährliche "Eiterbeulen", die es mit allen Mitteln und Möglichkeiten zu beobachten, "zurückzudrängen", "auszuschalten" und im Extremfall zu "vernichten" galt. Die Stasi machte sich bei der Sicherung des von der DDR-Propaganda bezeichneten "antifaschistischen Schutzwalls" unverzichtbar. Die Mauer wurde ihr Fundament, ihr Haupttätigkeitsfeld, ihr täglich Brot.
Verdankte die DDR der Mauer ihre Fortexistenz und Mielkes Imperium seine Blütezeit, so gingen mit dem Fall der Mauer auf einen Schlag beide sang- und klanglos unter. Ironie der Geschichte - ein MfS-Offizier öffnete am 9. November 1989 den Schlagbaum an der Bornholmer Straße und mit ihm die Berliner Mauer.
| Von | Daniel Ast, Hans-Herrmann Hertle | |

Der Mauerbau - ein Glücksfall für Erich Mielke und seinen DDR-Staatssicherheitsdienst. Schließlich war die Mauer Garant für seine Macht und zugleich sein Lebenselixier. Zehntausende von Stasi-Mitarbeitern hatten vom 13. August 1961 bis zum 9. November 1989 einen entscheidenden Auftrag: Die Mauer für die eigene Bevölkerung unantastbar, unüberwindbar und unangreifbar zu machen. - MfS-Foto vom gescheiterten Fluchtversuch Michael Bittners, der erschossen und dessen Tod von der Staatssicherheit später vertuscht wurde.
Die ARD-Koproduktion von RBB, WDR und Deutscher Welle, gefördert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, entstand 2021 aus Anlass des 60. Jahrestages des Baus der Berliner Mauer am 13. August 1961.