Drama, Deutschland / Tuerkei 2024
Türkei, in der Nacht vom 15. auf den 16. Juli 2016: Hauptmann Sinan gilt als pflichtbewusster Offizier, loyal der Armee gegenüber und geprägt von einem System, in dem Gehorsam über allem steht. Umso heikler ist der Auftrag, den er von seinen Vorgesetzten erhält. Er soll seinen älteren Bruder, Oberleutnant Kenan, der festgenommen wurde, zu einem Verhör und anschließend vor ein Militärgericht bringen. Kenan werden Befehlsverweigerung, ein Angriff auf seinen Vorgesetzten und Fahnenflucht vorgeworfen.
Für Sinan wird die Überführung zur Prüfung seiner Haltung zum Vaterland und seiner Loyalität zur Familie. Auf der langen Fahrt im Kleinbus begegnen sich die Brüder zunächst mit Schweigen und Misstrauen. Seit Jahren sind sie entfremdet. Zwischen ihnen steht nicht nur ihre gegensätzliche Haltung zum Militär, sondern auch der Tod ihres Vaters, eines hochdekorierten Generals, dessen Sturz und Selbsttötung die Familie gezeichnet haben.
Während Sinan unbeirrt an Disziplin und Opferbereitschaft festhält, stellt Kenan die Werte infrage, denen sein Bruder sein Leben untergeordnet hat. Als unterwegs die Nachricht von einem Militärputsch die Lage im ganzen Land kippen lässt, wird aus dem Gefangenentransport eine immer bedrohlichere Reise durch ein System, in dem plötzlich niemand mehr weiß, wem zu trauen ist. Auch Sinan wird gezwungen, seine Überzeugungen neu zu prüfen.
Türker Süer verbindet Familiendrama, Psychostudie und Roadmovie zu einem düsteren Film über Loyalität, Macht und moralische Grenzen. Die reduzierte Dialogführung und die präzise Bildgestaltung verleihen dem Film eine von innerer Spannung getragene Atmosphäre.
Originaltitel: Gecenin Kiyisi
| Besetzung | Ahmet Rifat Sungar | Sinan |
| Berk Hakman | Kenan | |
| Eda Akalin | Eda | |
| Ihya | ||
| Serkan Ilgaz | Bekir | |
| Ilyas | ||
| Regie | ||
| Drehbuch | ||
| Kamera | Matteo Cocco | |
| Musik | Ozan Tekin | |
| Produzent | , , Michael Weber | |
| Andere Personen | Schnitt: Rainer Nigrelli | |

Sinan (Ahmet Rifat ?ungar, Mi., stehend) wird von den höheren Offizieren angewiesen, seinen Bruder Kenan festnehmen zu lassen.
Mit "Schatten der Nacht" legt der in Deutschland geborene Regisseur Türker Süer sein Langfilmdebüt vor. Der Film feierte 2024 in der Sektion "Orizzonti Extra" der Internationalen Filmfestspiele von Venedig Premiere. Süer, der bereits mit seinem Kurzfilm "Brüder" internationale Aufmerksamkeit erhielt, erzählt in konzentrierten Bildern von Hierarchie, Männlichkeitsbildern und politischer Zerrüttung.