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Mo, 06.07.
0120 – 0205

arte

Fabian oder Der Gang vor die Hunde
Die Zeit ist mit den Engeln böse

Folge 1

Drama, Deutschland 2022

Geschmeidig mündet die sanfte Kamerafahrt durch das U-Bahn-Gewölbe am Heidelberger Platz in das Jahr 1931. Während die Fragilität der Weimarer Republik unübersehbar geworden ist, leiten der Niedergang von Moral, Anstand und Politik den europäischen Untergang ein. So sieht es zumindest Jakob Fabian, ein promovierter Germanist, der als Texter für die Reklame einer Zigarettenfirma gerade so das nötige Kleingeld für eine Berliner Bruchbude aufbringen kann. Doch statt dem anstehenden Wandel kämpferisch entgegenzutreten, zieht es Fabian vor, sich in der Berliner Unterwelt zwischen Nachtclubs, illegalen Kneipen und Etablissements einen Rückzugsort zu schaffen. Kühl und distanziert steht Fabian als stiller Beobachter abseits eines Lebens, das in Ungewissheit schwebt. An seiner Seite ist sein bester Freund und regelmäßiger Begleiter Labude, den Fabian nach seiner Rückkehr von einer Reise überzeugt, seine Habilitationsschrift einzureichen. Als sich die beiden Freunde wieder ins Berliner Nachtleben stürzen, erfährt Fabian, dass Labudes Reise nicht ohne Folgen geblieben ist. Kurz vor seiner Hochzeit entlarvte Labude in Hamburg eine Affäre seiner Verlobten und kämpft nun einen inneren Konflikt zwischen Vergebung und Abschied. Noch am gleichen Abend endet ein Seitensprung Labudes in einer Kneipenschlägerei. Indessen nutzte Fabian die Gelegenheit, sich der selbstbewussten Cornelia Battenberg anzunähern, die als Justiziarin in einer Berliner Filmproduktionsgesellschaft arbeitet. Schlussendlich erliegt Cornelia seinem Werben und verliebt sich genau wie Fabian Hals über Kopf.

Personen

Besetzung Tom Schilling Jakob Fabian
Albrecht Schuch Stephan Labude
Saskia Rosendahl Cornelia Battenberg
Meret Becker Irene Moll
Aljoscha Stadelmann Makart
Regie Dominik Graf
Drehbuch Dominik Graf, Constantin Lieb
Kamera Hanno Lentz
Musik Sven Rossenbach, Florian Van Volxem
Redaktion Daniel Blum, Olaf Grunert,
Produzent Felix von Boehm
Andere Personen Autoren: , Schnitt: Claudia Wolscht

Hintergrund

In einer Hommage an die Filmkunst zeichnet Dominik Graf exzellent eine atmosphärische Momentaufnahme der dreißiger Jahre und wird Erich Kästners literarischem Meisterwerk mehr als nur gerecht. Subtil werden dem Zuschauer die ausgehende Gefahr von Politikverdrossenheit und dem verlorenen Glauben an Moral und Anstand vergegenwärtigt, die keineswegs an Bedeutung verloren hat. Nicht umsonst zieht Dominik Graf bereits mit dem ersten Bild Parallelen zum Jetzt und mahnt das schleichende Wachstum der Rechten ausgeklügelt an.