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Tabu - Wahrheit und Mythos
Dokumentation, Deutschland 2026
Kannibalismus ist eines der ältesten Tabus der Menschheitsgeschichte. Moderne Tabus können sich um geheime Orte wie Fort Knox ranken oder die Ausbeutung des Weltraums beschränken.
Um eines der letzten Völker zu treffen, das im Ruf steht, Kannibalismus zu betreiben, reist "Terra X" zu den Krokodilmenschen nach Papua-Neuguinea. Insider erzählen vom Goldvorrat in Fort Knox und die deutsche Astronautin Rabea Rogge berichtet von ihrer Mission.
In fast allen Gesellschaften ist Kannibalismus mit einem strengen Tabu belegt. Trotzdem gibt es immer wieder Schreckensberichte über "Menschenfresser". Europäische Reisende und Missionare überboten einander darin, Geschichten über kannibalistische Bräuche bei Völkern in Südamerika und Ozeanien zu verbreiten. Nur in wenigen Fällen scheinen diese Erzählungen einen wahren Kern zu haben.
Im Norden von Papua-Neuguinea besucht das Filmteam das Volk der Iatmul. Ältere Krieger erinnern sich, dass es in der Vergangenheit üblich war, andere Dörfer zu überfallen und rivalisierende Gruppen zu töten. Die Männer, die wegen ihrer Schmucknarben auch Krokodilmenschen genannt werden, gelten bis heute als kriegerisch. Ein Sprecher der Iatmul, der sich intensiv mit den Traditionen und dem ursprünglichen Glauben seines Volkes beschäftigt, erläutert, dass das Menschenfleisch nur deshalb gegessen wurde, um die Kraft des Feindes in sich aufzunehmen: "Unsere Vorfahren aßen nur ganz kleine Stücke vom Hirn. Sie mischten sie mit dem Fleisch von Hunden oder Schweinen. Dann brachten sie alles nach Hause und gaben es ihren Söhnen zu essen, allen Männern der Familie. Sie taten das, damit die nächste Generation auch zu großen Kriegern werden würde."
Für einen der spektakulärsten Ferienjobs der Welt wurde ein Tabu für eine gewisse Zeit aufgehoben. Ab 1975 verbrachte Doug Simmons mehrere Sommer im United States Bullion Depository, in Fort Knox. Seit 1937 lagert hier ein Großteil der amerikanischen Goldreserven, geschützt durch meterdicke Außenwände aus Beton und Granit. Gemeinsam mit anderen Highschool-Studenten war es Dougs Aufgabe, die kiloschweren Goldbarren hin und her zu bewegen, damit sie gezählt und gewogen werden konnten. Mit der Bestandsaufnahme des Nationalschatzes sollte damals dem Gerücht entgegengewirkt werden, dass Fort Knox längst leergeräumt sei.
Dieses Gerücht hält sich allerdings hartnäckig und ist mittlerweile zu einer der bekanntesten Verschwörungstheorien angewachsen. Tatsächlich lagern neben den Goldreserven auch Kunstwerke und Juwelen in Fort Knox. Überrascht war Doug vor allem davon, große Mengen Drogen vorzufinden: "Die 1950er-Jahre - das war natürlich eine völlig andere Zeit. Das Atomzeitalter nahm seinen Anfang und die Menschen bekamen immer mehr Angst vor der Sowjetunion. Damals begann man, tonnenweise Morphin und Opium aufzuhäufen, was dann ebenfalls hier gelagert wurde. Im Falle eines Nuklearschlages wollte man daraus Schmerzmittel herstellen. Ich dachte immer, wenn irgendjemand irgendwann dieses Gebäude überfällt, dann nicht wegen des Goldes, sondern wegen der Drogen." Die Geheimnisse von Fort Knox sind bis heute nur wenigen bekannt. Selbst für den Präsidenten der Vereinigten Staaten ist dieser Ort nicht zugänglich.
Tabu war lange Zeit die militärische oder privatwirtschaftliche Nutzung des Weltraums. Die internationale Staatengemeinschaft regelte die Erforschung des Alls zu friedlichen Zwecken. Vor allem sollte verhindert werden, dass sich militärische Konflikte in den Weltraum verlagern. Was niemand vorhergesehen hatte, war der rasante Anstieg kommerzieller Nutzung. Vor über zwanzig Jahren startete das erste privat finanzierte und bemannte Raumfahrzeug ins All. Seitdem hat die kommerzielle Raumfahrt einen kometenhaften Aufstieg erlebt.
Private Anbieter fliegen inzwischen regelmäßig Frachtgüter und Astronauten zur Internationalen Raumstation ISS. Und auch die Satellitendichte hat rasant zugenommen: Waren es vor 10 Jahren noch circa 1.000 Satelliten, kreisen heute über 10.000 solcher Raumflugkörper in der Umlaufbahn der Erde. Und schon jetzt gehört über die Hälfte der sich im All befindlichen Satelliten zu Elon Musks Unternehmen SpaceX. "Die Frage, wie wir mit den Erdumlaufbahnen nachhaltig umgehen, ist sicherlich ein Bereich, bei dem wir den größten Bedarf haben, die derzeitigen Regeln weiterzuentwickeln", erklärt Dr. Franziska Knur, Weltraumrechtlerin beim Zentrum für Deutsche Luft- und Raumfahrt .
Für Rabea Rogge, die als erste deutsche Frau ins All flog, bietet die private Raumfahrt vor allem Chancen. 2025 umrundete sie gemeinsam mit ihrer Crew vier Tage lang die Erde und überflog dabei zu Forschungszwecken beide Polarregionen. Spätestens jedoch seit Elon Musk plant, die Marsbesiedelung voranzutreiben, stellt sich die Frage "Wem gehört das All?" völlig neu.
Weitere Ausstrahlungstermine
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Sonntag
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17.05.
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19:30 Uhr
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Personen
ZDF/Marc Dozier1 / 15
Die Krieger der Iatmul begeben sich auf eine traditionelle Jagd. Ihre Beute sind vor allem Schweine und Krokodile.
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Den traditionellen Schmuck der Krieger tragen Asaro-Männer heute nur noch an bestimmten Festtagen.
ZDF/SpaceX3 / 15
Rabea Rogge ist die erste deutsche Astronautin. Allerdings reiste sie nicht im Auftrag einer nationalen Raumfahrtagentur ins All, sondern für ein privates Unternehmen. Eine Mission, die einmal mehr die Frage in den Fokus rückt: Wem gehört der Weltraum?
ZDF/Marc Dozier4 / 15
Um die Verwandlung vom Kind zum Mann durchlaufen zu können, muss ein Iatmul-Junge sich einer schmerzhaften Prozedur unterziehen. Auf seinem Rücken werden Schnitte angebracht, die wie Krokodilschuppen wirken.
ZDF/Carsten Gutschmidt5 / 15
Die Hauptaufgabe der Iatmul-Krieger bestand vor allem darin, die eigene Gruppe vor Übergriffen zu schützen.
ZDF/Carsten Gutschmidt6 / 15
Einige Iatmul-Krieger berichten davon, dass ihre Vorfahren nach einem Kampf das Fleisch ihrer Feinde gegessen haben.
ZDF/Carsten Gutschmidt7 / 15
Diese Holzschnitzereien im Männerhaus der Iatmul in Kanganamun zeigen diverse Köpfe. In früheren Zeiten war es üblich, die Schädel von Verstorbenen vom Körper zu trennen und die Kopfstruktur des Toten über die Knochen zu modellieren. Erst in den 1930er-Jahren wurde die Herstellung übermodellierter Schädel von der kolonialen Regierung verboten.
ZDF/Marc Dozier8 / 15
Die Krieger der Iatmul treffen sich im Männerhaus, um ein Festmahl vorzubereiten. Nur ihnen ist es erlaubt, sich hier aufzuhalten. Frauen und Kindern ist der Zutritt verboten.
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Logo: "Terra X"
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Die Krieger der Iatmul treffen sich im Männerhaus, um ein Festmahl vorzubereiten. Nur ihnen ist es erlaubt, sich hier aufzuhalten. Frauen und Kindern ist der Zutritt verboten.
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Ein erlegtes Leistenkrokodil wird zum Kochen vorbereitet.
ZDF/Marc Dozier12 / 15
Das Fleisch der Feinde wurde bei den Iatmul und den Asaro in früheren Zeiten mit Krokodil- und Schweinefleisch gemischt.
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Das Volk der Iatmul ist berühmt für seine Holzschnitzerei. Das Männerhaus des Dorfes Kanganamun ziert ein Leistenkrokodil, das im Schöpfungsmythos eine große Rolle spielt.
ZDF/Marc Dozier14 / 15
In früheren Zeiten brachten Iatmul-Krieger die Leichen getöteter Feinde in ihr Dorf, um den Kampf noch einmal durchzuspielen und die gesamte Gemeinschaft in das Geschehnis einzubinden. Eine ähnliche Praxis herrschte bei den Asaro. Heute stellen sie die Tötung eines Feindes im Rahmen von Festen und Feiern nach.
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Rabea Rogge ist die erste deutsche Astronautin. Allerdings reiste sie nicht im Auftrag einer nationalen Raumfahrtagentur ins All, sondern für ein privates Unternehmen. Eine Mission, die einmal mehr die Frage in den Fokus rückt: Wem gehört der Weltraum?
Tabu - Wahrheit und Mythos