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Fr, 15.05.
0200 – 0330

arte

Paradies

Dokumentarfilm, Frankreich / Schweiz 2022

Im Sommer 2021 verwüsteten die größten Waldbrände der russischen Geschichte weite Teile Nordost-Sibiriens. Während die Behörden untätig blieben, kämpfte das Dorf Shologon um sein Überleben. Alexander Abaturovs Film zeigt diese Tragödie ohne Kommentar, aber mit schonungsloser Klarheit: Menschen, die mit Eimern und improvisierten Mitteln gegen die Flammen kämpfen, während der Staat sie im Stich lässt. Russland hatte 2021 "Kontrollzonen" definiert, in denen bei Katastrophen keine Hilfe geleistet wird - selbst bei größter Gefahr für die Menschen. Shologon liegt in einer solchen Zone. Die Kamera fängt die apokalyptischen Feuerfronten und die stille Verzweiflung der Menschen ein, die sich selbst überlassen sind. Was passiert, wenn der Staat seine Bürgerinnen und Bürger aufgibt? Und wie überlebt man in einer Welt, die immer häufiger von Katastrophen heimgesucht wird? "Paradies" gibt keine einfachen Antworten, zeigt aber, dass Gemeinschaft und Solidarität auch in der größten Not bestehen bleiben. Der Film dokumentiert, wie Klimawandel, Staatsversagen und menschliche Widerstandskraft aufeinandertreffen. Die Brände in Sibirien sind kein Einzelfall, sondern stehen für eine Welt, in der Extremwetterlagen zunehmen, während die Politik versagt. Abaturov macht diese Krise mit großer Eindringlichkeit an einem konkreten Ort erfahrbar. Alexander Abaturov, 1984 in Russland geboren, arbeitet mit einer beobachtenden, zurückhaltenden Erzählweise, die dem Publikum Raum für eigene Schlüsse lässt. Der Film wurde auf dem International Documentary Film Festival Amsterdam 2022 mit dem Preis für die beste Kamera ausgezeichnet.

Originaltitel: Paradise

Personen

Regie Alexander Abaturov