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Mi, 13.05.
2155 – 0035

arte

Die Saat des heiligen Feigenbaums

Drama, Deutschland / Frankreich 2024

Iman wird zum Ermittlungsrichter am Revolutionsgericht in Teheran befördert - ein Karriereschritt, der seiner Familie Hoffnung auf Sicherheit und sozialen Aufstieg gibt. Doch zeitgleich erschüttert eine Protestwelle das Land. In der Behörde wird Iman unter Druck gesetzt, Entscheidungen im Akkord zu treffen und Unterschriften zu leisten, die über Freiheit und Leben bestimmen, ohne ausreichend Einblick in die Fälle zu haben. Je mehr er sich dem System anpasst, desto stärker wächst die Anspannung, die er mit nach Hause nimmt. Während seine Frau Najmeh versucht, den Familienfrieden zu wahren, erleben die Töchter Rezvan und Sana die Realität der Straße und der sozialen Netzwerke. Die beiden Mädchen beginnen, das System zu hinterfragen: Offizielle Nachrichten stehen für sie unvereinbar neben Gerüchten, Videos und Erlebnissen in Schule und Universität. Als eine Freundin der Töchter bei einer Demonstration schwer verletzt wird und die staatliche Repression immer näher rückt, verschieben sich die Grenzen dessen, was in der Wohnung gesagt und verschwiegen werden darf. Der Wendepunkt kommt, als Imans Dienstwaffe plötzlich verschwindet. Aus Angst vor Konsequenzen und getrieben von Paranoia beginnt er, seine Frau und Töchter zu verdächtigen, ihre Handys einzusammeln, die Regeln zu verschärfen und sie unter Druck zu setzen. Was als Versuch beginnt, die Familie zu schützen, wird zur Zerreißprobe: Vertrauen wird zum Verhör, Nähe zur Überwachung, und der private Raum spiegelt immer deutlicher die Gewalt eines Staates, der jede Abweichung bestraft.

Originaltitel: Dane-ye anjir-e ma'abed

Personen

Besetzung Soheila Golestani Najmeh
Misagh Zare Iman
Setareh Maleki Sana
Mahsa Rostami Rezvan
Regie Mohammad Rasoulof
Drehbuch Mohammad Rasoulof
Kamera Pooyan Aghababaei
Musik Karzan Mahmood
Produzent Mohammad Rasoulof
Andere Personen Schnitt: Andrew Bird

Hintergrund

"Die Saat des heiligen Feigenbaums" wurde unter hohen Risiken heimlich im Iran gedreht; das Material gelangte zur Postproduktion ins Ausland. Mohammad Rasoulof verbindet sein fiktionales Familiendrama mit authentischen Handyvideos der Proteste von 2022 und erzeugt so eine ungewöhnliche Spannung zwischen Kammerspiel und Zeitdokument. Der Film feierte 2024 in Cannes Premiere und erhielt dort den Spezialpreis der Jury sowie weitere Auszeichnungen. Er war als deutscher Beitrag für den Oscar in der Kategorie Bester internationaler Film 2025 im Rennen und wurde darüber hinaus vielfach international nominiert und ausgezeichnet.