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Mi, 29.04.
2240 – 0015

arte

Die Frau auf dem Dach

Drama, Frankreich / Polen 2021

Mira hat ihr Leben im Griff - zumindest sieht es von außen so aus. In einer anonymen Wohnsiedlung erledigt die 60-Jährige routiniert den Haushalt, füttert die Fische, kocht, wäscht und geht zur Arbeit ins Krankenhaus, wo sie als Hebamme zuverlässig für andere da ist. Zu Hause jedoch sitzt ihr Mann vor dem Fernseher, der erwachsene Sohn wirkt abwesend, Gespräche versanden. Mira trägt vieles allein. Auch das, was niemand sehen soll: Schulden, die sich über Jahre angesammelt haben, weil sie geholfen, geliehen, ausgeglichen und geschwiegen hat. An einem scheinbar gewöhnlichen Morgen steckt Mira nach den vertrauten Handgriffen ein Küchenmesser ein und geht zur Bank. Mit dem Überfall, der innerhalb von Minuten scheitert, bricht sie aus ihrem geordneten Leben aus. Die Polizei ist alarmiert, Mira flieht und wird kurz darauf verhört. Sie wirkt wie betäubt, kann ihre Tat kaum erklären, gesteht und kehrt zunächst nach Hause zurück. Dort ist sie konfrontiert mit dem Gerede der Nachbarn und der Hilflosigkeit ihrer Familie. Mira rutscht zwischen Schuld, Scham und Erschöpfung in eine Krise, die sie schließlich in die Psychiatrie führt. Dort muss sie sich mit Fragen auseinandersetzen, die sie bisher ignoriert hat: Wofür hat sie ihr Geld geopfert? Warum hat niemand ihre Not bemerkt? Während Job und familiäre Sicherheiten bröckeln, beginnt Mira, eigene Bedürfnisse wahrzunehmen und Grenzen zu ziehen. Anna Jadowska erzählt dieses leise Drama in hellen, fast ausgeblichenen Bildern und mit großer Nähe zur Hauptfigur; Dorota Pomykala trägt den Film mit einer zurückgenommenen, eindringlichen Präsenz.

Originaltitel: Kobieta na dachu

Personen

Besetzung Dorota Pomykala Mira
Bogdan Koca Julek
Adam Bobik Mariusz
Regie Anna Jadowska
Drehbuch Anna Jadowska
Kamera Ita Zbroniec-Zajt
Musik Katharina Nuttall
Produzent Maria Blicharska Martin-Lacroix
Andere Personen Schnitt: Piotr Kmiecik,

Hintergrund

"Die Frau auf dem Dach" ist von einem realen Fall inspiriert und feierte 2022 beim Tribeca Film Festival in New York Weltpremiere; die Hauptdarstellerin Dorota Pomykala wurde dort für ihre Leistung ausgezeichnet. Regisseurin und Drehbuchautorin Anna Jadowska, Absolventin der Filmhochschule Lódz und der Wajda Master School, verbindet präzise Milieubeobachtung mit einer bewusst zurückhaltenden Inszenierung. Das Drama arbeitet mit einem kühlen, lichtdurchfluteten Bildkonzept und einer konsequenten Figurenperspektive, die Miras Isolation körperlich spürbar macht.