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Mi, 29.04.
2015 – 2140

arte

Julie - Eine Frau gibt nicht auf

Drama, Frankreich 2021

Julie lebt mit ihren zwei kleinen Kindern außerhalb von Paris. Dort ist es bezahlbar und ruhiger, doch jeder Arbeitstag wird zur logistischen Herausforderung: Noch im Dunkeln weckt sie die Kinder, organisiert Frühstück und Schultaschen, bringt sie zu einer älteren Nachbarin und hetzt zum Bahnhof. In der Hauptstadt arbeitet Julie in einem Luxushotel als Hausdame, das heißt sie leitet das Team der Zimmermädchen. Sie ist schnell, belastbar und zugleich unsichtbar in einem Betrieb, der reibungslos funktionieren muss, während die Gäste kommen und gehen. Julie will aus diesem Kreislauf heraus. Einst für einen anderen Beruf ausgebildet, hofft sie auf einen Neustart und bekommt endlich die Chance auf ein Vorstellungsgespräch. Doch ausgerechnet jetzt lähmt ein Streik den Nahverkehr. Züge fallen aus, Ersatzbusse sind überfüllt, Fahrtzeiten verlängern sich. Während Julie im Hotel ihre Schichten abdeckt und Konflikte mit Vorgesetzten auffängt, reißen zu Hause die Nerven: Die Kinderbetreuung gerät ins Wanken, die Bank meldet sich wegen überzogener Konten, der Ex-Mann bleibt beim Unterhalt unzuverlässig. Jede Stunde verlangt neue Improvisationen, kleine Gefälligkeiten und riskante Entscheidungen. Julie versucht, vor den Kindern die Fassade zu wahren, im Hotel Stärke zu zeigen und beim Bewerbungsgespräch die Zukunft im Auge zu behalten, obwohl ihr Sicherheitsnetz immer dünner wird. Mit jedem verpassten Anschluss und jeder geschlossenen Tür wächst der Druck, bis Alltag und Existenz nicht mehr vereinbar sind. Eric Gravel inszeniert Julies Woche mit fast dokumentarischer Nähe.

Originaltitel: À plein temps

Personen

Besetzung Laure Calamy Julie Roy
Anne Suarez Sylvie
Frau Lusigny
Nolan Arizmendi Nolan
Sasha Lemaitre Cremaschi
Vincent
Lucie Gallo Jeanne Delacroix
Regie Eric Gravel
Drehbuch Eric Gravel
Kamera Victor Seguin
Musik
Produzent , Nicolas Sanfaute
Andere Personen Schnitt: Mathilde Van de Moortel

Hintergrund

"Julie - Eine Frau gibt nicht auf" lief 2021 bei den Filmfestspielen von Venedig im Wettbewerb der Reihe Orizzonti und wurde dort für die Regie und die Leistung der Hauptdarstellerin ausgezeichnet. Eric Gravel, zuvor mit "Crash Test Aglaé" (2017) bekanntgeworden, erzählt ein Sozialdrama im Tempo eines Thrillers. Die Filmmusik von Irène Drésel und die präzise Montage von Mathilde van de Moortel prägen die fast körperlich spürbare Dringlichkeit des Films und wurden 2023 mit dem César geehrt.