Dokumentation, Deutschland 2025
170 Schafe und Ziegen besitzt Slavka Adzovic. Sie ist die einzige Frau in Montenegro, die als Schäferin arbeitet und die einzige Romni im Land, die sich damit ihren Lebensunterhalt verdient. Ein Beruf als Schäferin ist in der Kultur und Tradition ihrer Roma-Gemeinschaft unüblich, erst recht für eine Frau.
Auch Lesen und Schreiben lernte sie nie. Doch Slavka Adzovic fand trotzdem einen Weg, sich als selbständige Landwirtin zu behaupten. Vom Frühjahr bis zum ersten Frost lebt sie mit ihren Tieren auf der windigen Hochebene von Krnovo in 1.500 Metern Höhe. Es begann, als sie ein Kind war und ihr Vater zwei Schafe mit nach Hause brachte. Sie bestand darauf, dass diese nicht geschlachtet, sondern zum Ausgangspunkt ihrer Herde wurden.
Heute grasen neben ihrer spartanisch ausgestatten Almenhütte auch noch vier Kälber und 14 Kühe, deren Milch sie verkauft. Dass die 47-Jährige nicht lesen und schreiben kann, erschwert ihren Alltag, vor allem den als Unternehmerin. Aber Slavka Adzovic ist unabhängig, verdient ihr eigenes Geld und lebt inmitten der grandiosen Landschaft des Hochplateaus. In einer Freiheit, für die sie bereit ist, sich jeder noch so großen Herausforderung zu stellen. Seien es die Wölfe, die nächtens ihre Herde bedrohen, gewaltsame Übergriffe auf ihren kleinen Hof oder die bürokratischen Hürden bei der Finanzierung eines Kühltanks für die Milch.
"Ich bin mutig, ich kämpfe, hoffentlich auch weiterhin, aber es wird schon!", so beschreibt die Schäferin Slavka Adzovic ihre moderne Hirtengeschichte von einem selbstbestimmten Leben zwischen Tradition und Fortschritt.
| Von | Galina Breitkreuz | |