Dokumentation, Deutschland 2022
Manche Schwüre werden über Jahrhunderte gehalten: 1633 legten die Bürger des bayerischen Bergdorfes Oberammergau im Angesicht der Pest vor Gott das Gelübde ab, ein Passionsspiel aufzuführen, wenn sie fortan nur vom "schwarzen Tod" verschont blieben. Heute ist das Oberammergauer Passionsspiel das berühmteste der Welt. Alle zehn Jahre spielen fast 2.000 Oberammergauer Bürger im weltweit größten Laienspiel die letzten Tage Christi für hunderttausende von Zuschauern nach. In den Jahren vor der Aufführung befindet sich Oberammergau zunehmend im Ausnahmezustand - ein Dorf lebt für sein Spiel!
Spielleiter, Chefdramaturg und Regisseur Christian Stückl, der bereits zum vierten Mal der "große Bestimmer" ist (2022), ist vertraglich verpflichtet, alle Oberammergauerinnen und Oberammergauer, die sich als Darsteller gemeldet haben, auch in der Aufführung unterzubringen, über 1.000 Menschen stehen teilweise gleichzeitig auf der Bühne.
Seine Hauptrollen besetzt er jung. Und Religion spielt keine Rolle. Auf einen der Hauptdarsteller wurde Stückl im Café aufmerksam, weil ihm seine Stimme auffiel. Judas wurde 2022 deshalb von einem Oberammergauer muslimischen Glaubens gespielt. "Wenn einer denkt aus Provokation - nein, sondern weil er einer meiner besten jungen Schauspieler ist", so der Regisseur.
Auftakt der Proben 2022 war eine Reise nach Israel. An den überlieferten Orten entstand die Basis für die Rollenarbeit dieser Langzeitbeobachtung.
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