Künstlerporträt, Frankreich 2017
Pierre Richard kennt man als ewigen Tollpatsch aus "Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh". Er spielte darin einen zerstreuten Geiger, der aus Versehen ins Visier von Geheimdiensten gerät. Wie viele Komiker, auch die amerikanischen Slapstick-Komiker, trat er von Anfang an als eine ganz bestimmte Figur auf: Harold Lloyd war der Durchschnittsamerikaner, der nach Unterhaltung, nach Neuerung und Modernität gierte. Chaplin war der Vagabund, der gesellschaftliche Außenseiter. Pierre Richard verkörperte auf ganz klassische Weise den zerstreuten Anti-Helden, der unverschuldet in die Bredouille gerät.
Weniger bekannt ist, dass Pierre Richard beispielsweise beinahe der Ballett-Truppe von Maurice Béjart beigetreten wäre, der ihn vortanzen ließ und seine Gelenkigkeit und seine Sprungkraft so überzeugend fand, dass er ihn engagieren wollte. Außerdem war Pierre Richard Theaterschauspieler, Sänger, Drehbuchautor und Regisseur von sechs kreativen, sehr persönlichen und politischen Filmen, die davon zeugen, dass er sich - wie er selbst sagt - "immer empören muss".
In "Der Zerstreute" kritisierte Pierre Richard die Allgegenwart der Werbung, in "Alfred, die Knallerbse" die Massenverblödung durch Gameshows im Fernsehen und in "Ich weiß von nichts und sage alles" den Handel mit Waffen. Als letzter großer Komödiant nach Jerry Lewis, Tati und Etaix litt auch Pierre Richard unter dem Fluch des Genres, mit dem er berühmt geworden war. Gute Komödien sind anspruchsvoll, oft unterschätzt - beliebt beim Publikum, aber von der Kritik nicht selten auf bloße Gagfolgen reduziert.
"Pierre Richard - Komiker par excellence" zeigt den französischen Starschauspieler als leisen Poeten, dessen vielschichtige Persönlichkeit, künstlerische Ambitionen und gesellschaftliches Engagement oft hinter seinem Image als Erfolgskomiker zurücktraten.