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Mo, 09.03.
2015 – 2150

arte

Tagebuch einer Kammerzofe

Drama, Frankreich / Italien 1964

Frankreich, Ende der 1920er Jahre: Die junge, attraktive Célestine aus Paris tritt in der Normandie ihren Dienst als Hausmädchen einer bürgerlichen Familie an. In ihrem neuen Umfeld herrschen allerhand Unsitten: Madame ist pedantisch und verbittert, Monsieur ein notorischer Lustmolch, Schwiegervater Rabour ein nostalgischer Fetischist. Der Nachbar entpuppt sich als zänkischer Militarist und der sadistische Gärtner Joseph, ein Faschist, macht Célestine auf zudringliche Weise den Hof. Das Hausmädchen weist ihn entschieden ab und verhält sich ihrer Umgebung gegenüber beobachtend und distanziert. Nur zu dem kleinen Bauernmädchen Claire verbindet sie ein liebevolles Verhältnis. Als der Schwiegervater stirbt, will Célestine kündigen und nach Paris zurückzukehren. Doch am Bahnhof erreicht sie die schreckliche Nachricht, dass die kleine Claire im nahen Wald vergewaltigt und ermordet wurde. Das Hausmädchen beschließt, zu bleiben. Zwar gibt es keine Spur des Mörders, doch Célestine verdächtigt Joseph. Um Gewissheit zu erlangen, lässt sie sich auf die Avancen des Gärtners ein. Buñuels "Tagebuch einer Kammerzofe" ist eine bitterböse Satire auf die verlogene, in ihren überkommenen Traditionen gefangene französische Provinz-Bourgeoisie vor Beginn des Zweiten Weltkriegs. Jeanne Moreau in der Rolle des Hausmädchens Célestine befördert die unter der Fassade lauernden Untugenden eines Milieus zutage, das Buñuel zutiefst verachtete und in vielen seiner Filme auf teils schockierende Art und Weise kritisierte.

Originaltitel: Le journal d´une femme de chambre

Personen

Besetzung Jeanne Moreau
Michel Piccoli Monsieur Monteil
Joseph
Daniel Ivernel Mauger
Madame Monteil
Muni Marianne
Jean Ozenne Monsieur Rabour
Rose
Dominique Sauvage Claire
Regie
Drehbuch ,
Kamera Roger Fellous
Produzent Michel Safra, Serge Silberman
Andere Personen Autoren: Octave Mirbeau, Schnitt: Louisette Hautecoeur

Hintergrund

"Tagebuch einer Kammerzofe" basiert auf Octave Mirbeaus gleichnamigem Roman aus dem Jahr 1900. Dieser wurde bereits 1946 von Jean Renoir für die Leinwand adaptiert, allerdings mit einigen Abwandlungen: Ein Happy End milderte die Gesellschaftskritik der Vorlage ab. Auch Buñuel schrieb die Geschichte für seine Zwecke um: Er übertrug die Handlung aus dem 19. Jahrhundert in das Jahr 1928 - eine Zeit, in der der Filmemacher den sozialen und politischen Aufruhr in Frankreich miterlebte.