Politfilm, USA 1973
Nach der Ermordung eines US-Senators von der Spitze der Space Needle in Seattle sterben mehrere Augenzeugen unter mysteriösen Umständen. Der unbequeme Journalist Joe Frady beginnt, die Todesfälle zu untersuchen. Seine Recherchen führen ihn zu der geheimnisvollen Parallax Corporation, einer Organisation, die behauptet, Persönlichkeitsprofile für staatliche Zwecke zu erstellen.
Frady schleust sich undercover in das System ein und durchläuft ein verstörendes psychologisches Screening - eine audiovisuelle Testsequenz, die Loyalität, Gewaltbereitschaft und Manipulierbarkeit prüft. Schritt für Schritt erkennt er, dass Parallax nicht nur analysiert, sondern Menschen formt: zu perfekten Werkzeugen politischer Gewalt.
Während Frady versucht, die Verschwörung öffentlich zu machen, wird er selbst Teil eines tödlichen Plans. Am Ende steht kein Triumph der Aufklärung, sondern ein bitteres Fazit: Die Wahrheit existiert - aber sie setzt sich nicht durch.
Originaltitel: The Parallax View
| Besetzung | Warren Beatty | Joseph Frady |
| Paula Prentiss | Lee Carter | |
| William Daniels | Austin Tucker | |
| Hume Cronyn | Bill Rintels | |
| Kenneth Mars | Ex-FBI-Agent Will | |
| Kelly Thordsen | Sheriff L. D. Wicker | |
| Jim Davis | Senator John Hammond | |
| Regie | Alan J. Pakula | |
| Andere Personen | Kontakt: Harald Steinwender | |

Joe Frady (Warren Beatty, rechts) mit Sheriff L. D. Wicker (Kelly Thordsen, 2. von rechts), den er verdächtigt mit ungeklärten Mordfällen zu tun zu haben.
Der Film entstand in einer Zeit tiefen politischen Misstrauens in den USA. Nach Vietnamkrieg, Watergate und der Offenlegung geheimdienstlicher Machenschaften wurde der Glaube an transparente staatliche Strukturen nachhaltig erschüttert. Regisseur Alan J. Pakula übersetzte dieses gesellschaftliche Klima in einen Politthriller, der weniger auf Handlung als auf Atmosphäre und Struktur setzt. Im Zentrum steht nicht eine einzelne Verschwörung, sondern ein anonymes System, das Macht organisiert, Verantwortung verschleiert und Individuen austauschbar macht. Besonders verstörend wirkt dabei die Vorstellung, politische Gewalt sei nicht ideologisch motiviert, sondern das Ergebnis gezielter psychologischer Formung. Pakulas distanzierte Inszenierung, die kühle Bildsprache und die konsequente Verweigerung eines befriedigenden Endes machen "Zeuge einer Verschwörung" zu einem Schlüsselwerk des amerikanischen Paranoia-Kinos. Der Film entwirft ein Weltbild, in dem Wahrheit existiert, sich jedoch nicht durchsetzt - eine Perspektive, die auch Jahrzehnte später nichts von ihrer Aktualität verloren hat.