Dokudrama, Deutschland 2024
Rosa von Praunheim, der Wegbereiter des deutschen Queer-Films, adaptiert in diesem Dokudrama die Memoiren der Domina Tina; der Film ist auch ein Zeitzeugnis der 80er und 90er Jahre in West-Berlin. Praunheims vorletzter Film (2024) ist das Porträt eines ungewöhnlichen und doch aufrichtigen Lebens. ARTE strahlt das Werk zum Anlass des Todes des avantgardistischen Regisseurs mit 83 Jahren aus.
Die lebenslustige Tina ist Berlinerin und wird bald 65 Jahre alt. Fast ihr ganzes Leben hat sie in der Prostitution zugebracht, hauptsächlich als Domina in ihrem eigenen Studio. Tina erzählt ihre Geschichte vor verschiedenen Hintergründen, in diversen Lokalitäten und trifft Wegbegleiter und Freunde. Szenen aus ihrer Jugend und aus ihrem Erfahrungsschatz als Domina werden von Schauspielern und Schauspielerinnen dargestellt. In einigen Spielszenen kann die echte Tina eingreifen und das Geschehen mitgestalten, so wie Regisseur Rosa von Praunheim es in seinem Film über Charlotte von Mahlsdorf ("Ich bin meine eigene Frau", 1992) bereits gemacht hatte.
Das Dokudrama erzählt ohne künstlerisch untermalte Tragik den Weg einer emanzipierten Frau in der Berliner Szene, der von Spielsucht, konfliktreichen Begegnungen, aber vor allem Menschenliebe geprägt ist. In ihrer ehrlichen Selbsterzählung vermittelt Tina die gelernten Lektionen eines Lebens außerhalb der Norm und die Hintergründe einer Sexualität, die ihrer eigenen nie entsprach. Das Nachsinnen über Kontrolle, Gewalt und Verantwortung im Beruf der Sexarbeiterin, gelenkt von den Fragestellungen des Gehilfen Praunheim, liefert ein tiefgründiges menschliches Porträt.
| Besetzung | Lady MacLaine | selbst |
| Katja Inga Baldowski | Tina | |
| Meinhard | ||
| Ute | ||
| Hisham Alnamer | Mustafa | |
| Regie | Rosa von Praunheim | |
| Drehbuch | Nico Woche, Rosa von Praunheim | |
| Kamera | Lorenz Haarmann | |
| Musik | Andreas M. Wolter | |
| Produzent | Rosa von Praunheim | |
| Andere Personen | Autoren: Lady MacLaine, Domina Tina, Schnitt: Mike Shephard | |

Die lebenslustige Tina (Katja Inga Baldowski) hat fast ihr ganzes Leben in der Prostitution verbracht, hauptsächlich als Domina in ihrem eigenen Studio.
Rosa von Praunheim, im Dezember 2025 verstorben, wurde mit seinem Film "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt" 1971 zum Pionier des lesbisch-schwulen Filmschaffens in Deutschland. Im Laufe seiner Karriere hat er sich als Regisseur des Neuen Deutschen Films unaufhörlich für die Darstellung sexueller Minderheiten und marginalisierter Gruppen eingesetzt. Mit Respekt und Humor, einer Mischung aus dokumentarischem Blick und fiktionaler Freiheit, schuf er die Grundlagen eines queeren Kinos. In "Dreißig Jahre an der Peitsche" adaptiert Rosa von Praunheim die gleichnamigen Memoiren von Tina, beruflich bekannt als Lady MacLaine. Mehr über das Leben des Regisseurs und Aktivisten erfahren Sie im Dokumentarfilm "Glückskind - Der schwule Filmemacher Rosa von Praunheim" auf arte.tv.