Künstlerporträt, Frankreich 2024
Soll man jede Wahrheit aussprechen? Diese Frage stellt sich unweigerlich beim Blick auf das Werk von Oliver Stone. Der engagierte und dezidiert politische Filmemacher hat in seiner mit drei Oscars gekrönten Karriere unermüdlich die Lügen der USA aufgedeckt - die des Staates, der die Scheinheiligkeit der amerikanischen Demokratie und ihre Machtgier zu vertuschen sucht, ebenso wie jene des Liberalismus mit seinem Versprechen von Wohlstand für alle. Auch das Showbusiness nimmt er ins Visier - seine Lügen, seine Verherrlichung von Oberflächlichkeit und Konsum.
Die Suche nach der Wahrheit durchzieht Stones Werk - von den 1980er-Jahre-Filmen wie "Platoon", "Geboren am 4. Juli", "Salvador" und "Wall Street" über die 1990er mit "JFK - Tatort Dallas" und "Natural Born Killers" bis hin zu "Snowden" (2016).
In den teilweise autobiografischen Filmen "Platoon" und "Geboren am 4. Juli" verarbeitet er seine Erinnerungen an den Vietnamkrieg, an dem er als 20-Jähriger freiwillig teilnahm. Vietnam war für den jungen Stone - wie für sein Land - Trauma und Erkenntnis zugleich: eine tiefe Wunde, die ihn prägte und zu Filmen inspirierte, in denen die USA zur Hauptfigur wurden.
Sein Wille, trotz aller Widerstände und Kritik beharrlich die Schattenseiten Amerikas zu zeigen, brachte ihm große Erfolge - aber auch Rückschläge, den Ruf eines Verschwörungstheoretikers und den allmählichen Rückzug aus dem Hollywood-Mainstream ein. Vor allem sein dokumentarisches Spätwerk hat wiederholt für Schlagzeilen gesorgt und ihn auch international zu einer umstrittenen Figur gemacht.
| Regie | Amine Mestari | |