TV-Drama, Deutschland 2018
Am 16. August 1988 überfallen zwei maskierte Männer eine Bankfiliale im nordrhein-westfälischen Gladbeck und nehmen zwei Bankangestellte als Geiseln. Schnell wird den Ermittlern um Einsatzleiter Meise klar, dass es sich bei den beiden Kriminellen um Hans-Jürgen Rösner und Dieter Degowski handelt. Beide verbindet ihr Hang zu Brutalität, ihr Hass gegen Polizisten und die Gier nach Aufmerksamkeit. Obwohl sie das geforderte Geld bekommen, fliehen sie mit ihren beiden Geiseln ungehindert quer durch Deutschland. Eine Heerschar von Journalisten ist via Fernsehen und Radio stets live dabei - ein Verbrechen in Echtzeit. Während die Geiseln in Lebensgefahr schweben, werden die Bankräuber vor laufenden Kameras interviewt, unterhalten sich mit Passanten und gehen Einkaufen, während bei der Polizei je nach Bundesland immer wieder die Zuständigkeit und Gesetzgebung wechselt und dadurch eine Zugriffsmöglichkeit nach der anderen ungenutzt bleibt. Selbst als die Geiselnehmer einen ganzen Bus in ihre Gewalt bringen und einen kleinen Jungen erschießen, reißt der bis dahin unvorstellbare Medien-Hype und die Hilflosigkeit der Polizei nicht ab. 54 Stunden lang hält das Verbrechen die Republik in Atem. Als die Polizei endlich eingreift, passiert genau das, was sie verhindern wollte: Eine weitere Geisel und ein Polizist sterben. Die beiden Entführer und ihre Komplizin überleben. Ereignisse, die noch 30 Jahre später nachwirken.
| Besetzung | Sascha A. Gersak | |
| Alexander Scheer | Dieter Degowski | |
| Marie Rosa Tietjen | ||
| Ulrich Noethen | LKD Friedhelm Meise | |
| Martin Wuttke | ||
| Silke Bischoff | ||
| Lilli Fichtner | Ines Voitle | |
| Riccardo Campione | Emanuele De Giorgi | |
| Giolina Ardente | Tatiana De Giorgi | |
| Albrecht Schuch | Fotoreporter Peter Meyer | |
| Johannes Allmayer | Harald Engels | |
| Amelie Kiefer | Karin Blank | |
| Stephan Kampwirth | Bremer Innensenator Bernd Meyer | |
| August Zirner | NRW-Innenminister Herbert Schnoor | |
| Arnd Klawitter | ||
| Regie | Kilian Riedhof | |
| Drehbuch | Holger Karsten Schmidt | |
| Kamera | Armin Franzen | |
| Musik | ||
Regisseur Kilian Riedhof ("Sein letztes Rennen", "Der Fall Barschel") inszenierte ein Geiseldrama, dessen reale Vorlage vor mehr als 35 Jahren nicht nur die gesamte Bundesrepublik in Atem hielt, sondern dessen Bilder sich durch die skrupellose mediale Berichterstattung ins kollektive Gedächtnis der Deutschen brannte. Die 54 Stunden andauernde Odyssee offenbarte nicht nur ein Versagen der Staatsgewallt, sie zeigte ganz offen, welche moralischen Grenzen Journalisten bereit waren, für ein gutes Bild oder ein Interview mit den Geiselnehmern völlig selbstverständlich zu überschreiten. Kameramann Armin Franzen ("Das Boot" 2022, "Ein ganzes Leben") gelingen detailgetreue eindringliche Bilder, gleich dem Found Footage, die jene Tage im August bedrohlich bedrückend in unsere Zeit holen.