Drama, Großbritannien 2019
Newcastle in den 2010er Jahren: Ricky Turner, ein ehemaliger Bauarbeiter, und seine Frau Abby, eine engagierte Pflegekraft, kämpfen mit den Folgen der Finanzkrise. Als Ricky sich als selbstständiger Lieferfahrer verpflichtet, hofft die Familie auf einen Neuanfang. Doch der vermeintliche Ausweg wird zur Falle: Ricky muss seinen Lieferwagen selbst finanzieren, arbeitet 14-Stunden-Tage unter dem Druck eines unmenschlichen Algorithmus und wird für jede Verspätung oder Beschädigung zur Kasse gebeten. Abby, die nun ohne Auto zu ihren pflegebedürftigen Patienten hetzt, kämpft parallel gegen die Entmenschlichung ihrer Arbeit - während die Kinder Seb und Liza Jane in der Leere eines Zuhauses aufwachsen, das kaum mehr als ein Schlafplatz ist.
Regisseur Ken Loach zeichnet mit dokumentarischer Präzision den Zerfall einer Familie, die im Strudel des modernen Kapitalismus gefangen ist. Die Kamera begleitet Ricky durch triste Vorstädte, während Abby zwischen Demenzkranken und bürokratischen Vorgaben zerrieben wird. Sohn Sebs Rebellion - Schulverweise, Diebstähle, nächtliche Graffiti-Aktionen - spiegelt die Hilflosigkeit einer Generation ohne Zukunftsperspektiven. Inmitten dieses Chaos versucht Tochter Liza Jane verzweifelt, die Familie zusammenzuhalten.
Loach und Drehbuchautor Paul Laverty ("Ich, Daniel Blake") entlarven die Illusion der "Selbstständigkeit" im Gig-Economy-System als moderne Ausbeutung. Mit ungeschönter Intensität zeigen sie, wie finanzielle Not Liebe, Würde und Zusammenhalt zerstört - bis die Familie an einem Punkt steht, an dem selbst Hoffnung zum Luxus wird. Loach setzt bewusst auf eine realitätsnahe Besetzung: Kris Hitchen ist ein ehemaliger Klempner, Debbie Honeywood arbeitete als Erzieherin für Kinder mit Lernschwierigkeiten und die jugendlichen Darsteller Rhys Stone und Katie Proctor wurden an lokalen Schulen in Newcastle gecastet.
Originaltitel: Sorry we missed you
Besetzung | Kris Hitchen | Ricky Turner |
Debbie Honeywood | Abby Turner | |
Rhys Stone | Seb Turner | |
Katie Proctor | Liza Jane Turner | |
Ross Brewster | Gavin Maloney | |
Charlie Richmond | Henry Morgan | |
Regie | Ken Loach | |
Drehbuch | Paul Laverty | |
Kamera | Robbie Ryan | |
Musik | George Fenton | |
Produzent | Rebecca O'Brien | |
Andere Personen | Schnitt: Jonathan Morris |
Der strikte Algorithmus des Franchise-Systems fordert von Ricky (Kris Hitchen) 14-Stunden-Tage - seine Tochter Liza Jane (Katie Proctor) sieht er nur noch selten.
In "Sorry We Missed You" thematisiert Ken Loach erneut die Missstände unserer modernen Welt und gibt den betroffenen Menschen eine Stimme. Nach "Ich, Daniel Blake", der 2016 in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde, porträtieren Loach und sein langjähriger Drehbuchautor Paul Laverty nun in dem bewegenden Sozialdrama "Sorry We Missed You" eine Familie, die an den Bedingungen der globalisierten Arbeitswelt zu zerbrechen droht. Es ist eine universelle Geschichte über Leistungsdruck und Ausbeutung, über Pflegenotstand und Nächstenliebe, über Kampfgeist und Zusammenhalt - kurz: über die Themen, die derzeit in ganz Europa die Menschen beschäftigen.